Stuttgart - Lübeck 07 2020
Radtour oder doch eher Radmechaniker auf Achse
Kurzbeschreibung
Im Juli 2020 habe ich einen Freund in Lübeck besucht und habe den Iron Curtain Weg entlang der ehemaligen Deutsch - Deutschen Grenze befahren.
Die Idee war, auf dem ehemaligen breiten Grenzstreifen in der Natur zu fahren.
Die Radtour ging von Stuttgart den Neckar entlang nach Heilbronn, danach an der Jagst und dem Nebenfluss Seeach entlang nach Unterfranken wo ich dann auf die ehemalige Deutsch-Deutsche Grenze gestoßen bin. Ab da bin ich dem Iron-Curtain-Trail gefolgt. Da ich mit dem ICE zurückreisen wollte und die Fahrradmitnahme schwierig war und war, hatte ich beschlossen mir ein günstiges gebrauchtes Rad zu kaufen, mit diesem hochzufahren und danach das Rad vor Ort zu entsorgen.
Gute Idee - Leider mit einigen Nachteilen behaftet.
Ich hatte zeitweise das Gefühl, mehr ein mobiler Radmonteur zu sein und kein Radreisender. Leider hatte ich wenig Bilder gemacht, die wenigen zeigen nur meine Reparaturen.
Impressionen Einblicke und Erlebnisse
Summary
Ich erinnere mich nicht mehr an die Einschränkungen welche es bezüglich Corona gab. Ich erinnere mich jedoch sehr gut daran, dass mein Fahrrad ständig Probleme machte.
Leider habe ich keine Impressionen der Reise gespeichert - nur die Fotos der Reparaturen sind noch vorhanden









Radreisender oder Fahrradmonteur auf reisen
Es begann eigentlich ganz vielversprechend: ein gebrauchtes Fahrrad, ein gutes Gefühl und die feste Überzeugung, einen echten Schwabendeal gemacht zu haben. Rückblickend lässt sich sagen: Die Idee war gut – die Umsetzung eher… sagen wir mal „ausbaufähig“.
Eine gründliche Inspektion vor der Reise? Ach was. Wer braucht schon so etwas Banales wie ein Check-up und Reifen mit Profil? Die abgefahrenen Pneus wurden großzügig ignoriert, und die Schleifspuren an der Felge – verursacht durch zuvor verwendeten abgefahrene Bremsbeläge – habe ich konsequent übersehen. Ein klassischer Fall von „Wird schon gut gehen“.
Zunächst fing alles harmlos an. Eine Reifenpanne. Kann passieren. Also kurzer Boxenstopp an einem idyllischen Brunnen, Schlauch geflickt, Pause genossen.
Doch dann kam der Samstag. Auf einem eigentlich wunderschönen Waldweg, kurz vor einer Ortschaft, beschloss mein Vorderrad, dass es genug gesehen hatte. Es verabschiedete sich der Reifen, und der Schlauch wölbte sich heraus
Einfache Diagnose: Mantel Totalschaden. Therapie: Neuer Mantel.
Sonntag war ich somit zum Nichtstun verdammt. Montagmorgen stand ich dann als erster Kunde vor dem Fahrradladen. Die Verkäufer waren leicht irritiert, als ich den neuen Mantel direkt vor dem Geschäft montierte. Doch nach kurzer Eingewöhnungsphase taute er auf und bot mir sogar Werkzeug an – vermutlich aus einer Mischung aus Mitleid und Neugier.
Die eigentliche Katastrophe wartete noch: Auf einer späteren Etappe brach die Seitenwand der Vorderradfelge. Die Ursache? Die zuvor übersehenen Schleifspuren hatten die Felge so geschwächt, dass sie schließlich kapitulierte. Da stand ich nun. Mitten im Nirgendwo. Fahrrad kaputt. Stimmung milde gesagt ausbaufähig.
Also: schieben. In den nächsten Ort. Hotel suchen. Durchatmen. Plan machen.
Am nächsten Tag startete ich eine etwas unkonventionelle Rettungsmission: Ich sprach Passanten an, erklärte mein Problem und fragte, ob jemand zufällig ein altes Fahrrad herumstehen hätte, dessen Hinterrad sie entbehren könnten. Die zweite Person sagte tatsächlich: Ja, mein Mann hat da was – kommen Sie mit.
Zu Hause angekommen wurde mein Fahrrad begutachtet, ein wenig geschmunzelt – und dann zauberte der Mann tatsächlich ein passendes Hinterrad hervor. Dreigang-Nabe, richtige Größe, leicht nostalgischer Charme. Seine Worte: „Schenk ich dir. Deinen Zahnkranz musst du aber selbst einbauen.
Ich fragte vorsichtig, ob ich seine Werkstatt benutzen dürfe. Die offene Scheunentür mit Blick auf Werkbank und ausreichend Werkzeug gaben mir Hoffnung.
Was dann folgte, war eine vierstündige Mischung aus Schrauben, Fluchen, Improvisieren und gelegentlichen Erfolgsmomenten. Details erspare ich hier – sagen wir einfach: Es war lehrreich und schweißtreibend. Aber: Am Ende war ich wieder fahrbereit.
Mit einem leicht angeschlagenen Ego und der festen Erkenntnis, dass ein Fahrrad-Check vor der Reise vielleicht doch keine völlig überbewertete Idee ist wurde die Reise fortgesetzt.
Ein riesiges Dankeschön an die freundliche Familie S. – ohne euch wäre diese Geschichte vermutlich ganz anders ausgegangen. Und definitiv weniger lustig.
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