Israel on Bike

Einblicke und Erlebnisse von meiner Radtour in Israel

Einblicke

Vom 03. November 2019 bis zum 24. November 2019 war ich mit dem Fahrrad in Israel unterwegs.

Das Fahrrad hatte ich als Sperrgepäck aufgegeben und es war lustig anzusehen wie die Menschen am Flughafen Tel Aviv leicht irritiert waren als da jemand aus einer Tasche Fahrradteile heraus zauberte und ein Fahrrad zusammengebaut hat.

Nach einer Übernachtung in Tel Aviv bin ich am Mittelmeer nach Osten gefahren. Die ersten ca. 10 Km aus Tel Aviv heraus war ein perfekter Radweg. Danach auf die Straße gewechselt welche angenehmerweise eine ca. 1 mtr. breite Schoulder hatte. Die erste Nacht auf einem freien Campingplatz am Meer übernachtet. Auf dieser Reise hatte ich kein Zelt, sondern aus Gewichtsgründen nur eine Strandmuschel dabei. In dieser war es sehr angenehm auch ausgestreckt zu schlafen
Haifa als nächster Stopp liegt malerisch am Hang des Karmelgebirges und bietet spektakuläre Ausblicke auf das Mittelmeer. Die Stadt ist terrassenförmig aufgebaut – je höher man kommt, desto beeindruckender wird die Aussicht.
Die Radstrecke von Haifa nach Tiberias ist landschaftlich sehr reizvoll, aber auch anspruchsvoll. Sie führt vom Mittelmeer ins Landesinnere und verläuft teilweise durch hügeliges bis bergiges Gelände, besonders im Bereich des Karmelgebirge. Unterwegs passiert man grüne Landschaften, kleine Orte und später das Jordantal, bevor man den See Genezareth erreicht. Insgesamt ist die Strecke etwa 60–70 km lang und erfordert eine gute Kondition, belohnt aber mit abwechslungsreicher Natur und schönen Ausblicken.
In Tiberias habe ich 2 Tage zugebracht von dem ich einen Tag eine Rundreise um den See Genezareth gemacht habe.
Die Radtour rund um den See Genezareth ist etwa 55–65 km lang und gut an einem Tag machbar.
Insgesamt ist die Runde abwechslungsreich, mit einer Mischung aus entspannten Abschnitten und leichten Steigungen – ideal für eine sportliche, aber gut machbare Tagestour
Am Nordufer liegt Kafarnaum (Capernaum)
Dieser Ort gilt als „Stadt Jesu“. Hier soll er gelebt und gepredigt haben. Zu sehen sind die Überreste einer alten Synagoge sowie das vermutete Haus des Apostels Petrus.
Die Primatskapelle des Petrus -Hier soll Jesus nach seiner Auferstehung dem Apostel Petrus erschienen sein. Die kleine Kirche liegt direkt am Ufer und wirkt besonders ruhig und spirituell.
Von Tiberias bin ich dann durch das Jordantal in einem Rutsch 120 km bis nach Jericho gefahren. Das Tal ist ziemlich menschenleer und es war mir nicht wohl dabei in dem Palästinensergebiet wild zu übernachten.
Die Radstrecke von Tiberias nach Jericho ist landschaftlich eindrucksvoll, aber auch anspruchsvoll und teilweise abgelegen.
Die Route führt durch das weite Jordantal, eine heiße und trockene Region mit wenig Schatten. Die Strecke ist überwiegend flach, aber die Hitze und die langen, geraden Abschnitte können anstrengend werden.

Kurz vor Jericho wird die Landschaft wieder etwas grüner durch Oasen und Palmenhaine. Die Stadt selbst liegt unter dem Meeresspiegel und empfängt mit warmem Klima und einer ganz eigenen, ruhigen Atmosphäre. Insgesamt umfasst die Strecke etwa 100–120 km, ist technisch nicht schwierig, aber wegen Hitze, Distanz und Infrastruktur eher etwas für erfahrene Radfahrer
Jericho gilt als eine der ältesten dauerhaft bewohnten Städte der Welt und liegt in der fruchtbaren Jordansenke nahe dem Jordan. Die Stadt ist von Palmenhainen und Wüstenlandschaft umgeben und wirkt insgesamt ruhig und ursprünglich.

Ein besonderes Highlight ist die Seilbahn auf den Berg der Versuchung. Sie führt hinauf zu einem spektakulär gelegenen Kloster in den Felsen und bietet einen beeindruckenden Blick über die Stadt und das Jordantal. Gleichzeitig zeigt Jericho auch eine andere Seite: In der Umgebung befinden sich palästinensische Flüchtlingslager wie das Aqabat Jabr Flüchtlingslager. Diese stehen sinnbildlich für die komplexe politische Situation in der Region und bilden einen starken Kontrast zu den historischen und touristischen Sehenswürdigkeiten.So vereint Jericho auf engem Raum biblische Geschichte, beeindruckende Landschaft und aktuelle gesellschaftliche Realität.

An den folgenden zwei bin ich von Jericho Tagesausflüge ans Tote Meer gemacht. Die Strecke führte durch die karge, fast surreal wirkende Wüstenlandschaft des Jordantals – trocken, weit und beeindruckend still. Am Kalia Beach angekommen, stand dann Entspannung im Vordergrund: treiben lassen im extrem salzhaltigen Wasser, Sonne genießen und einfach die besondere Atmosphäre dieses einzigartigen Ortes aufnehmen.

Das Tote Meer ist ein echtes Naturphänomen

Mit rund -430 Metern unter dem Meeresspiegel ist es der tiefste frei zugängliche Punkt der Erde.

Der Salzgehalt ist etwa 10-mal höher als im Ozean, wodurch man mühelos auf dem Wasser schwebt.

Aufgrund des hohen Salzgehalts können keine Fische oder Pflanzen im Wasser leben.
Das mineralreiche Wasser und der Schlamm gelten als wohltuend für Haut und Gesundheit.

Auf dem Weg am Toten Meer Richtung Süden passiert man die historischen Städte Qumran.
Hier wurden zwischen 1947 und 1956 die legendären Schriftrollen vom Toten Meer entdeckt – alte jüdische Texte, die mehr als 2.000 Jahre alt sind und einen einmaligen Einblick in die religiösen Praktiken und das Leben zur Zeit Jesu geben. Sie umfassen Bibeltexte, Apokryphen und Schriften der Essener-Gemeinde, die vermutlich hier lebte. Das kleine, aber sehr informative Museum in Qumran ergänzt den Besuch der Ausgrabungen perfekt. Es präsentiert die Schriftrollen vom Toten Meer nicht in Originalgröße, sondern als hochwertige Reproduktionen und digitale Darstellungen, sodass Besucher die alten Texte gut studieren können, ohne die empfindlichen Originale zu gefährden. Zusätzlich zeigt das Museum Artefakte aus der Siedlung: Keramik, Werkzeuge, Öllampen und Überreste von Tonkrügen, in denen die Schriftrollen vermutlich aufbewahrt wurden. Interaktive Tafeln erklären die Lebensweise der Essener-Gemeinde, die vermutlich hier lebte, und geben einen Überblick über die historische und religiöse Bedeutung der Funde. Weiterhin sehenswert ist die antike Siedlung in Qumran welche sowohl Einflüsse der Essener als auch der römischen Besatzer zeigen.


Eigentlich wollte ich einen Stopp in Ein Gedi machen aber der Strand ist durch Senklöcher nicht begehbar gewesen.
Die Senklöcher am Totes Meer sind eines der faszinierendsten und zugleich dramatischsten Naturphänomene der Region. Sie entstehen durch das stetige Absinken des Wasserspiegels, das inzwischen mehr als einen Meter pro Jahr betragen kann.

So entstehen sie:
Unter der Oberfläche liegt Salz, das vom Wasser ausgewaschen wird, wenn der Pegel sinkt.
Hohlräume bilden sich unter der Erdkruste, welche sich dann absenken.

Die Senklöcher sind ein eindrucksvolles Zeichen der dynamischen Natur des Toten Meeres und ein Mahnmal für die Umweltauswirkungen des stark sinkenden Wasserspiegels.

Übernachtet hatte ich dann an einem bei Hippie-Strand Metzoke Dragot – etwas außergewöhnlicher Platz, alle laufen dort nackt herum und sind sehr gechillt. Da eine Süßwasserquelle vorhanden ist, kann man sich dort waschen und mit Trinkwasser versorgen.

Danach ging es am Toten Meer entlang nach Neve Zohar wo ich wieder 2 Tage verbracht habe.

In 3 weiteren Etappen bin ich dann bis ans Rote Meer nach Eilat gefahren.
In Eilat hat es mir so gut gefallen, die Unterkunft war so schön und es waren so inspirierende Menschen da, dass ich beschlossen hatte die Strecke von Eilat nach Tel Aviv durch die Wüste auszulassen und stattdessen zum Ende der Reise mit dem Bus nach Jerusalem zu fahren und dann mit der Bahn nach Tel Aviv.

Nach einigen schönen Tagen am Roten Meer ging es dann mit dem Bus von Eilat nach Jerusalem.
Dort freitagnachmittags angekommen musste ich feststellen, dass bedingt durch den Sabbat keine Züge mehr fuhren und erst nach dem jüdischen Wochenende der Zugverkehr wieder aufgenommen wurde.

Aber ich war ja mobil und hatte mein Rad dabei.

Es sind 55 km, sollte also an einem Nachmittag gut machbar sein.
Das Problem ist nur die Topografie der Region – ein ständiges Auf und Ab was an einem Nachmittag nicht zu schaffen gewesen wäre.
Plan B: Seitenstreifen Autobahn der eine Strecke mit wenig Höhenmetern versprach – in Deutschland undenkbar und in Israel eigentlich auch.
Es ging 10 km gut, dann wurde ich von der Polizei gestoppt. Relativ ruhig erklärten sie mir, dass das ziemlich gefährlich ist, was ich da mache.
Als ich Ihnen mein Zeit- und Höhenmeterproblem erklärte konnten Sie mein Verhalten verstehen.
Nach kurzer Überlegung ließen sie mich weiterfahren, ich musste Ihnen jedoch hoch und heilig versprechen, bei jeder Ausfahrt die Autobahn zu verlassen und über die Auffahrt wieder auf den Seitenstreifen zu gelangen.
An meine eigene Sicherheit denkend war es einfach mich an diese Vorgabe zu halten.
Auf diese Weise kam ich nach ca. 20 km in flacheres Gelände und ich konnte alternative Wege fahren und die Autobahn meiden.
Gegen Abend kam ich in meinem Hotel an.

Am nächsten Tag ging es mit öffentlichen Verkehrsmittel an den Flughafen. In der Haupttransportzeit war das eine sportliche Herausforderung in der Metro einen Platz für das Fahrrad zu finden.
Am Flughafen wurde dann das Fahrrad wieder zerlegt als Sperrgepäck aufgegeben und die Heimreise angetreten.

Reisebeschreibung